JOS: Praktische Tipps und Erfahrungen aus dem Wald

Im letzten Beitrag haben wir über die Auswahl der Seilwinde in Abhängigkeit von Traktor, Gelände, Seillänge und Arbeitsintensität gesprochen. Dieses Mal widme ich mich zwei Komponenten der Seilwinde, die von Anwendern oft als selbstverständlich angesehen werden, tatsächlich jedoch einen entscheidenden Einfluss auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Seilwinde haben: der Kupplung und der Bremse.

WARUM BRAUCHT EINE FORSTSEILWINDE EINE KUPPLUNG?

Vor einigen Jahren war ich bei Tests unserer Seilwinden in Deutschland bei einem Anwender in Bayern vor Ort. Im Gespräch lobte er unsere Seilwinde, fügte jedoch hinzu, dass er selbst aus einem alten Lkw-Differenzial eine noch bessere gebaut habe. Er erzählte, die Seilwinde sei „unendlich stark“ gewesen und habe den Traktor „nur“ dreimal umgeworfen.

Der Grund war einfach: Die Seilwinde hatte keine Kupplung.

Diese Geschichte verdeutlicht sehr anschaulich, warum eine moderne Forstseilwinde eine hochwertige Kupplung benötigt. Ihre Aufgabe besteht nicht nur in der Kraftübertragung, sondern auch darin, das gesamte System vor Überlastungen zu schützen.

WIE FUNKTIONIERT EINE KUPPLUNG?

Die meisten Anwender kennen die Kupplung aus dem Auto. Bei der sogenannten Trockenkupplung handelt es sich um ein System, bei dem ein Reibbelag zwischen zwei Metallflächen gepresst wird. Wird die Kupplung betätigt, ermöglicht die Reibung zwischen den Flächen die Übertragung des Drehmoments beziehungsweise der Drehbewegung.

Da die Anpresskraft begrenzt ist, kommt es bei einer Überlastung zum Durchrutschen der Kupplung. In diesem Moment wird die Kraftübertragung unterbrochen oder reduziert und dadurch werden die Antriebskomponenten der Seilwinde sowie der Traktor geschützt.

Einfach ausgedrückt: Wenn die Kupplung durchrutscht, signalisiert sie Ihnen, dass die Seilwinde überlastet ist.

In einem solchen Fall sollten Sie nicht versuchen, die Seilwinde noch stärker zu belasten, sondern einen Teil der Last abhängen.

Wenn die Kupplung rutscht – Last reduzieren!

Das ist eine der grundlegenden Regeln für sicheres Arbeiten mit der Seilwinde.

WARUM IST DIE GRÖSSE DER KUPPLUNG WICHTIG?

Bei der Auswahl der passenden Seilausrüstung sollte man sich überlegen, welche Stämme man am häufigsten rücken wird.

Für Kupplungen gilt eine sehr einfache Regel: Je größer die Reibfläche, desto geringer die Belastung des einzelnen Belags.

Die Übertragung des Drehmoments hängt nämlich ab von:

  • der Anpresskraft,
  • der Größe der Reibflächen.

Verfügt die Kupplung über mehr Reibbeläge beziehungsweise eine größere Arbeitsfläche, kann sie das gleiche Drehmoment bei geringerer Belastung der einzelnen Komponenten übertragen.

Die Folge:

  • weniger Verschleiß,
  • niedrigere Temperaturen,
  • längere Lebensdauer des gesamten Systems.

Einfach ausgedrückt:

Mehr Beläge bedeuten eine längere Lebensdauer.

WIE LANGE HÄLT EINE KUPPLUNG?

Viele Menschen glauben, Kupplungen seien Verschleißteile, die häufig ausgetauscht werden müssen. In der Praxis hält eine hochwertige Kupplung bei sachgemäßer Verwendung jedoch außergewöhnlich lange.

Ich erinnere mich an einen Anwender unserer Doppeltrommelseilwinde, der mit dem Hinweis zum Service kam, die Seilwinde ziehe „schlecht“. Bei der Überprüfung stellten wir fest, dass nicht verschlissene Kupplungsbeläge die Ursache waren, sondern eine übermäßige Schmierung der Kette. Das Fett war auf die Reibbeläge der Kupplung gelangt und hatte die Reibung verringert.

Die interessanteste Information war jedoch, dass mit dieser Seilwinde bis dahin rund 40.000 Kubikmeter Holz gerückt worden waren.

Die Dicke der Reibbeläge entsprach dennoch nahezu der eines Neugeräts.

Das zeigt eindrucksvoll, dass sich die Beläge bei normalem Betrieb kaum abnutzen, da die Kupplung nur in Ausnahmefällen und jeweils nur sehr kurz durchrutscht.

WELCHE AUFGABE HAT DIE BREMSE?

Die zweite wichtige Komponente einer Seilwinde ist die Bremse.

Die meisten modernen Forstseilwinden verwenden eine Bandbremse, die aus Sicherheits- und Funktionsgründen so dimensioniert ist, dass sie mindestens 25 % mehr Kraft hält als die Nennzugkraft der Seilwinde.

Bei Forstseilwinden sprechen wir hauptsächlich von einer sogenannten Feststellbremse.

Wenn die Bremse aktiviert wird, umschließt das Band den Seiltrommelkörper fest und hält ihn in Position. Sie funktioniert ähnlich wie ein Ölfilterschlüssel mit Band, der den Filter umschließt und dessen Drehung verhindert.

Das bedeutet, dass der Anwender das Holz allein mithilfe der Bremse zum Polterplatz an der Forststraße ziehen kann, während die Trommel zuverlässig blockiert bleibt.

Wird die Bremse gelöst, kann das Stahlseil abgewickelt werden. Dies erfolgt manuell oder mithilfe anderer Seilausgabesysteme – stets unter Kontrolle des Bedieners.

DIE BEDEUTUNG HOCHWERTIGER BELÄGE

Jedes Rutschen bedeutet Reibung. Und jede Reibung erzeugt Wärme. Kurzzeitiges Rutschen ist im Betrieb völlig normal, dauerhaftes Rutschen kann jedoch zu schweren Schäden führen.

Wenn Sie während der Arbeit Folgendes bemerken:

  • starken Brandgeruch,
  • blauen Rauch aus der Seilwinde,
  • ungewöhnliche Erwärmung,

ist es sehr wahrscheinlich, dass die Reibbeläge überhitzt wurden.

In diesem Fall besteht ein hohes Risiko, dass die Beläge beschädigt sind und ein Werkstattbesuch sowie der Austausch der Kupplung oder anderer verschlissener Komponenten erforderlich werden.

Ignorieren Sie deshalb niemals die Warnsignale, die Ihnen die Maschine gibt.

WAS PASSIERT, WENN KUPPLUNG ODER BREMSE RUTSCHEN?

Jedes Rutschen bedeutet Reibung. Und jede Reibung erzeugt Wärme. Kurzzeitiges Rutschen ist im Betrieb völlig normal, dauerhaftes Rutschen kann jedoch zu schweren Schäden führen.

Wenn Sie während der Arbeit Folgendes bemerken:

  • starken Brandgeruch,
  • blauen Rauch aus der Seilwinde,
  • ungewöhnliche Erwärmung,

ist es sehr wahrscheinlich, dass die Reibbeläge überhitzt wurden.

In diesem Fall besteht ein hohes Risiko, dass die Beläge beschädigt sind und ein Werkstattbesuch sowie der Austausch der Kupplung oder anderer verschlissener Komponenten erforderlich werden.

Ignorieren Sie deshalb niemals die Warnsignale, die Ihnen die Maschine gibt.

KUPPLUNG UND BREMSE SIND MEHR ALS NUR TECHNISCHE DETAILS

Anwender schenken häufig der Zugkraft, der Seillänge oder der Funkfernsteuerung die größte Aufmerksamkeit. Doch gerade Kupplung und Bremse sorgen im Hintergrund jeden Tag für Sicherheit, den Schutz der Maschine und einen zuverlässigen Betrieb.

Eine gut konstruierte Kupplung schützt die Seilwinde vor Überlastungen, eine hochwertige Bremse gewährleistet eine sichere Kontrolle über die Last.

Wenn wir über eine hochwertige Forstseilwinde sprechen, sprechen wir daher nicht nur über die Anzahl der Kilonewton Zugkraft, sondern auch über die Lösungen, die dem Anwender ein sicheres und langfristig zuverlässiges Arbeiten ermöglichen.

Im nächsten Beitrag widmen wir uns einem weiteren wichtigen Thema – dem Stahlseil, seiner Auswahl, Wartung und richtigen Verwendung. Denn das Seil stellt die direkte Verbindung zwischen der Seilwinde und dem Holz dar, das wir aus dem Wald rücken.