JOS: Praktische Tipps und Erfahrungen aus dem Wald

Im letzten Beitrag haben wir über Stahl- und Synthetikseile sowie deren Einfluss auf Sicherheit, Effizienz und Lebensdauer der Seilwinde gesprochen. Dieses Mal widmen wir uns Komponenten, die häufig etwas vernachlässigt werden, obwohl sie täglich den höchsten Belastungen ausgesetzt sind – Seilendstücke, Chokerhaken und weitere Verbindungselemente des Holzrückesystems.Gerade diese Komponenten stellen die Verbindung zwischen Seil und Last her. Sind sie nicht richtig ausgewählt, dimensioniert oder eingesetzt, können sie die Lebensdauer des Seils, die Arbeitseffizienz und vor allem die Sicherheit beim Holzrücken erheblich beeinflussen.

STANDARDS SIND KEIN ZUFALL

Bevor wir auf die einzelnen Komponenten eingehen, ist zu betonen, dass der Bereich der Seilendstücke, Chokerhaken und des dazugehörigen Zubehörs durch die Norm SIST EN 17822:2023 geregelt wird, die bei der Auswahl und Verwendung der Ausrüstung berücksichtigt werden muss.

Es handelt sich um Komponenten, die unmittelbar an der Übertragung großer Kräfte beteiligt sind. Deshalb ist hier kein Platz für Improvisationen..

DAS SEILENDSTÜCK GEHÖRT ZU DEN STÄRKST BELASTETEN KOMPONENTEN DES SYSTEMS

Das Seilendstück beziehungsweise der Abschluss des Seils gehört zu den am stärksten beanspruchten Komponenten des gesamten Holzrückesystems. In der Praxis kommen verschiedene Ausführungen zum Einsatz:

  • Parallelhaken,
  • Chokerhaken,
  • Seilendstücke mit Kettenverriegelung,
  • Seilendstücke mit Keil,
  • verschiedene Ausführungen für Synthetikseile.

Leider sieht man in der Praxis gelegentlich noch Knoten am Seilende. Auch wenn der Grund meist ganz pragmatisch ist – der Anwender hat gerade keine andere Lösung zur Hand –, entspricht eine solche Ausführung nicht den Vorschriften und ist nicht zu empfehlen. Ebenso gehören die Zeiten, in denen klassische Drahtseilklemmen an Forstseilwinden verwendet wurden, weitgehend der Vergangenheit an.

WELCHES SEILENDSTÜCK SOLLTE MAN WÄHLEN?

Am häufigsten trifft man auf Parallelhaken, üblicherweise in den Größen P7–8, P10 oder P13, abhängig vom Seildurchmesser und den verwendeten Ketten.

In Deutschland sind auch Chokerhaken sehr beliebt, während Seilendstücke mit Keil aufgrund ihrer praktischen Handhabung ebenfalls häufig verwendet werden, obwohl sie etwas schwerer sind.

Unabhängig von der Ausführung muss das Seilendstück stets entsprechend der Zugkraft der Seilwinde dimensioniert sein. Bei klassischen Haken erfolgt die Befestigung am Seil in der Regel mittels einer verpressten Aluminiumhülse, während bei Seilendstücken mit Keil die erforderliche Haltekraft durch die Reibung zwischen Seil und Keil gewährleistet wird.

BESONDERHEITEN VON SEILENDSTÜCKEN MIT KEIL

Bei Seilendstücken mit Keil gibt es eine wichtige Besonderheit. Ist das Seilendstück mit einer drehbaren Kettenverriegelung oder einem drehbaren Haken ausgestattet und verwendet der Anwender überwiegend diese Art der Anschlagung, kann sich das Seil unter Belastung allmählich aufdrehen. Die Folge ist eine verkürzte Lebensdauer des Seils. Auf dieses Detail achten viele Anwender nicht, langfristig kann es jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Wartungskosten haben.

DREHBARE ODER STARRE CHOKERHAKEN?

Grundsätzlich unterscheidet man Chokerhaken in:

  • drehbare,
  • starre Ausführungen.

Ich persönlich empfehle starre Chokerhaken nicht. Dies bestätigt auch eine etwas ältere Untersuchung der Forst- und Holzfachschule Postojna, die interessante Ergebnisse lieferte. Beim Rücken von Sortimenten mit mehreren Chokerhaken und Ketten richteten sich drehbare Chokerhaken in rund 98 % der Fälle korrekt aus, starre dagegen nur in etwa 50 % der Fälle. Das macht im täglichen Einsatz einen erheblichen Unterschied.

WARUM IST DIE RICHTIGE POSITION DES CHOKERHAKENS SO WICHTIG?

Befindet sich der Chokerhaken in einer falschen Position, läuft das Seil während des Ziehens unter einem ungünstigen Winkel durch den Haken.

Die Folgen sind:

  • erhöhte Reibung,
  • schnellerer Seilverschleiß,
  • Beschädigungen einzelner Drähte,
  • verkürzte Lebensdauer des Seils.

Auch meine persönlichen Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die Ergebnisse dieser Untersuchung. Deshalb empfehle ich bei der Auswahl grundsätzlich drehbare Chokerhaken.

AUCH HIER IST SCHMIERUNG WICHTIG

Wenn wir uns an den vorherigen Beitrag über Seile erinnern, haben wir festgestellt, dass regelmäßige Schmierung wichtig ist, um die Reibung zwischen den einzelnen Drähten zu reduzieren und Korrosion vorzubeugen.

Dasselbe gilt auch für die Bewegung der Chokerhaken auf dem Seil. Auf einem geschmierten Seil gleiten sie deutlich leichter als auf einem trockenen. Deshalb ist regelmäßige Wartung auch aus diesem Grund sinnvoll.

WIE VERHÄLT ES SICH BEI SYNTHETIKSEILEN?

Ein eigenes Kapitel bilden Seilendstücke für Synthetikseile.

Aus der Praxis hat sich eine Kombination aus einem Metallbolzen und einer stärkeren Kunststoffscheibe zwischen Bolzen und Chokerhaken als sehr wirkungsvolle Lösung erwiesen. Da sich Synthetikseile in ihren Eigenschaften deutlich von Stahlseilen unterscheiden, erfordern sie auch einen etwas anderen Ansatz bei der Auswahl der passenden Ausrüstung.

Ein wichtiger Faktor bleibt auch der Preis. Obwohl Synthetikseile heute deutlich erschwinglicher sind als noch vor zwanzig Jahren, kosten sie immer noch etwa dreimal so viel wie vergleichbare Stahlseile.

BESONDERHEITEN VON CHOKERHAKEN FÜR SYNTHETIKSEILE

Chokerhaken für Synthetikseile sind in der Regel asymmetrisch aufgebaut. Deshalb ist bereits die richtige Montagerichtung auf dem Seil von großer Bedeutung. Ihre Konstruktion sorgt dafür, dass das Seil beim Durchlaufen des Hakens möglichst wenig gebogen wird. Dadurch wird der Verschleiß der Fasern reduziert und die Lebensdauer des Seils verlängert. Darüber hinaus gibt es spezielle Chokerhaken, die mit einer oder sogar zwei Seilrollen ausgestattet sind. In solchen Fällen gleitet das Seil nicht über den Chokerhaken, sondern die Seilrolle rollt auf dem Seil.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • minimaler Seilverschleiß,
  • geringere Erwärmung,
  • weniger Reibung,
  • längere Lebensdauer des gesamten Systems.

EIN FEHLER, DEN ICH IN DER PRAXIS VIEL ZU OFT BEOBACHTE

Der Zweck dieses Beitrags ist nicht, Anwender im Umgang mit der Seilwinde zu schulen. Ein Fehler tritt jedoch so häufig auf, dass er unbedingt erwähnt werden sollte. Beim Holzrücken muss die Last auch am ersten Chokerhaken befestigt werden, der der Seilwinde am nächsten liegt. Kann sich der erste Chokerhaken frei auf dem Seil bewegen, gelangt er insbesondere beim Einsatz einer unteren Umlenkrolle häufig in die Seilrolle.

Dabei kann Folgendes passieren:

  • der Chokerhaken verklemmt sich,
  • das Seil wird beschädigt,
  • das Seil wird durchtrennt,
  • die Seilrolle der unteren Umlenkrolle wird beschädigt.

Die Folgen können kostspielig sein und stellen vor allem ein zusätzliches Sicherheitsrisiko dar.

BESCHÄDIGTE KOMPONENTEN WERDEN NICHT REPARIERT

Seilendstücke, Chokerhaken, Forstketten und Anschlagseile erfüllen eine äußerst verantwortungsvolle Aufgabe. Deshalb gilt eine einfache Regel:

  • Sie werden verwendet, solange sie unbeschädigt sind.
  • Bei größeren Beschädigungen werden sie ersetzt.
  • Sie werden nicht durch Schweißen, Schleifen oder andere improvisierte Maßnahmen repariert.

Solche Reparaturen schaffen Schwachstellen, die unter Belastung versagen können und Folgendes verursachen:

  • Schäden an der Ausrüstung,
  • Versagen des gesamten Systems,
  • gefährliche Situationen für den Bediener und andere Personen in der Nähe.

KLEINE KOMPONENTEN MIT GROSSER WIRKUNG

Seilendstücke und Chokerhaken gehören zwar zu den kleinsten Komponenten des Holzrückesystems, übernehmen jedoch eine äußerst wichtige Aufgabe.

Richtig ausgewählte und unbeschädigte Komponenten:

  • verlängern die Lebensdauer des Seils,
  • reduzieren den Verschleiß der Ausrüstung,
  • verbessern die Arbeitseffizienz,
  • erhöhen die Sicherheit beim Holzrücken.

Deshalb verdienen sie dieselbe Aufmerksamkeit wie die Seilwinde, das Seil oder der Traktor.

Im nächsten Beitrag widmen wir uns Umlenkrollen und Seilumlenksystemen. Denn der richtige Einsatz dieser Komponenten kann die Effizienz des Holzrückens erheblich steigern und gleichzeitig die Belastung von Seilwinde, Seil und Traktor deutlich reduzieren.